¡Off With Their Heads!

Trailer

In der Regel gehört zu einer Theaterbühne ein Ensemble von Bühnenscheinwerfern. Je nach Größe und Besetzung dieses Ensembles finden sich die unterschiedlichsten Typen unter ihnen. Wenn man sich diesen Lampen nähert und ihnen bei ihrer Arbeit zuschaut, kann man erstaunliche Dinge über sie herausfinden: Sie erzeugen Klänge. Sie haben individuelle Physiognomien – Körper, die Wärme abstrahlen. Manche unter ihnen können sich bewegen. Sie haben darstellerisches Potential.

Projektdokumentation (lang)

Die Zeit, in der die Erzeuger des Bühnenlichts unter die Theaterdecke und aus dem Sichtfeld des Zuschauers verbannt wurden, ist lange vorbei. In zeitgenössischen Theaterproduktionen können Scheinwerfer problemlos in das Bühnengeschehen integriert werden. Eine Lampe kann Requisit oder Bühnenbild sein, sie kann sogar zum Gegenstand der Handlung werden. Aber kann eine Lampe in letzter Konsequenz auch als Akteur das Bühnengeschehen bestimmen? Ist es möglich, mit einem Ensemble von Lampen eine Geschichte zu erzählen? ¡Off With Their Heads! stellt sich diese Frage und möchte sie unbedingt mit „Ja“ beantworten!

Umsetzung:

Eine Auswahl von Leuchtmitteln wird auf der ansonsten leeren Theaterbühne positioniert. Wie Darsteller beginnen die Lampen Handlungen auszuführen und aufeinander zu reagieren, wodurch sich Beziehungen unter ihnen entwickeln. Sie werden zu Persönlichkeiten – zu Protagonisten einer szenischen Handlung.
Die Bühnenscheinwerfer sind zugleich Bühnenbild, Klangerzeuger und Ausgangspunkt aller szenischen Vorgänge. Besonders geeignet und die eigentliche Inspirationsquelle für diese Idee ist ein spezieller Typ von Scheinwerfern, der sich in den letzten Jahren in der Veranstaltungstechnik etabliert hat: der Moving Head.

                          

Dieser Scheinwerfer wurde konstruiert, um einen Lichtkegel voll automatisiert durch den Raum bewegen zu können. Dazu wird der mobile Scheinwerferkopf in die benötigte Position geschwenkt. Steht eine solche Lampe im Wahrnehmungszentrum des Zuschauers, rufen derartige Bewegungen zwangsläufig Assoziationen hervor. Auf der Theaterbühne werden sie auf diese Weise lebendig. Sie scheinen ein Eigenleben zu führen, das von dem Publikum interpretiert und verstanden werden will. Die Subjektwerdung einer Maschine ist aber nur ein Aspekt, der in ¡Off With Their Heads! thematisiert wird. Die Steuerung des Scheinwerferensembles über den Computer ermöglicht es, komplexe Bewegungsabläufe durchzuführen. Bewegungssequenzen können in perfekter Synchronisation das gesamte Ensemble einschließen oder sich quasi ‚polyphon’ in einer Gruppe individueller Charaktere ereignen. Die roboterartigen Lampen wandeln sich so zu Tänzern, ihre virtuosen Bewegungen unterliegen nun einer Choreographie.

¡Off With Their Heads! möchte Maschinen eine Geschichte erzählen lassen und kommt nicht umhin, zuvor ein dutzend anderer Fragen zu beantworten: Wie werden Heute Geschichten erzählt? Wer erzählt sie? Werden die meisten Geschichten nicht bereits von Maschinen bzw. von der Elektronik erzählt oder beeinflusst? Muss sich eine Maschine also überhaupt noch verstellen – muss sie vermenschlicht werden -, um zu unterhalten? Maschinen sind Befehlsempfänger derer, die die Macht über sie haben, und als diese treten sie täglich in unser Leben, sei es im Privaten oder in der Weltpolitik. Sie führen Kriege, überwachen Grenzen, eliminieren vermeintliche Terroristen oder sichern nationale Interessen, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Fundus zeitgenössischer, nichtfiktionaler Robotergeschichten ist groß, und der Zugriff auf diesen Fundus ist dem „Moving Head“ gewissermaßen in die Wiege gelegt.