I Never Went South

Projektdokumentation (kurz)

Das Musiktheaterstück I Never Went South umhülltdie Zuschauer, zu Beginn, in tiefe Nacht. Erst allmählich zeichnen sich die Umrisse des Bühnenbildes ab. Bäume lassen sich erahnen, doch es ist noch zu dunkel, um sich ihrer sicher zu sein. Da flackert es auf zwischen den Zweigen. Tannen beginnen zu glimmen und ein hängender Wald wird erkennbar. Töne und Geräusche erklingen aus den verschiedensten Ecken des Raumes, während sich das Licht intensiviert. Die Bäume werden endgültig real und auch die Klangquellen sind nun zu erkennen: zwölf Musiker und ihre Instrumente werden von dem Wald beherbergt. Eine Interaktion zwischen Bühnenbild und Performern beginnt.

Projektdokumentation (lang)

Umsetzung:

I Never Went South holt konkrete Natur auf die Bühne. Ein Wald aus echten Nadelbäumen hängt und liegt in unterschiedlichsten Achsen im Bühnenbereich und wartet darauf, bespielt zu werden. Diese Bäume werden durch ein Video-Mapping, präzise fokussierte Scheinwerfer und indirektes Licht verschiedenartig illuminiert. Sie sind zugleich Bühnenbild, Mitspieler, Grundlage der Komposition und Ausgangspunkt für alle szenischen Vorgänge. Neben den MusikerInnen sind sie die eigentlichen Protagonisten. I Never Went South verschränkt akustische und visuelle Elemente in immer neuen Zusammenhängen ineinander, dabei verzichtet es auf „explizite“ Schauspielerei und arbeitet stattdessen mit dem interaktiven Bühnenbild und den darin angeordneten Musikern. Szenische Bewegungen und solche, die primär der Klangerzeugung dienen, treffen in den verschiedensten Zusammenhängen aufeinander und erzeugen stellenweise eine diffuse Mehrdeutigkeit. Diese Mehrdeutigkeit ist bereits im Bühnenbild angelegt; der horizontal aufgehängte Wald verweist, auf subtile Weise, in das Reich der Töne.

                

Die hier abgebildete Wellenform zeichnet ein Bild von einem Klang. Sie stellt gewissermaßen die Geschichte eines Tons von dessen Entstehung bis zum letzten Verklingen dar. Visualisiert ähneln Wellenformen den Umrissen von liegenden Tannen. I Never Went South ordnet zwölf von ihnen, auf unterschiedlichen Höhen, im Theaterraum an und teilt ihnen jeweils ein Instrument zu. Das Bühnenbild ist somit Knotenpunkt und Spielwiese zwischen den Musikern, den von ihnen erzeugten Klängen und szenischen Geschehen. Töne und Geräusche können nun, durch entsprechende Illumination der Bäume, mit einem Bild konnotiert werden. Nachdem dem Zuschauer diese Kopplung verdeutlicht wurde, beginnen sich derartige Zusammenhänge komplexer ineinander zu verschränken. Wurden eben noch Klänge nach diesem Prinzip visualisiert, kann im Folgenden die Klangproduktion optischen Kategorien unterliegen, um schließlich beide Ebenen gänzlich auseinander driften zu lassen.

Dieser Artikel basiert auf dem Konzeptionstext von I Never Went South, der von Lea Letzel, Fabian Offert und Christian Grammel erstellt wurde.

Ein Gedanke zu “I Never Went South

  1. Hallo, das hier ist ein Kommentar.
    Um Kommentare zu bearbeiten, musst du dich anmelden und zur Übersicht der Artikel gehen. Dort bekommst du dann die Gelegenheit sie zu verändern oder zu löschen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.